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Guten Start ins neue Jahr! Ein Plädoyer für eine Pause

  • 31. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr ist für viele Menschen besonders. Der Trubel von Endjahresstress, Geschenke besorgen und Weihnachtstamtam liegt hinter uns und da für Viele in diesen Tagen nicht all zu viel anliegt, ist das oft die Zeit im Jahr, einmal wirklich zu verschnaufen. Interessant ist ja, dass wir diese Zeit auch "zwischen den Jahren" nennen, obwohl das faktisch natürlich gar nicht stimmt. Aber der Ausdruck zeugt von dem Dazwischen, das diese Zeit für uns oft darstellt: nicht mehr ganz das Alte, aber auch noch nicht das Neue. Viele Menschen nutzen diese Tage, um zur Ruhe zu kommen, um zurückzublicken, vielleicht auch, um nach innen zu lauschen und zu reflektieren. Manche greifen hierfür auf Bräuche und Rituale zurück – die Rauhnächte sind ein bekanntes Beispiel. Sie stehen symbolisch für Übergang, für Innehalten, für das leise Sortieren dessen, was war, und dessen, was kommen darf.


Und dann ist dann ist es auch schon soweit: der 1. Januar ist da. Ein neues Jahr - ein Neustart! Mit den besten Vorsätzen düsen wir los. Zu den beliebtesten Neujahrsvorsätzen gehören dabei u.a. Dinge wie mehr Sport machen, gesünder ernähren, weniger Zeit in den sozialen Medien verbringen, endlich im Job vorankommen oder gar ganz neu orientieren. Vieles davon hat irgendwie mit Aktivität und Aufbruch zu tun, mit Optimierung und dem Anspruch von „jetzt aber richtig“. Natürlich ist daran grundsätzlich nichts verkehrt, schließlich ist das meiste davon eine gute Sache. Aber fällt euch etwas auf? Schaut euch mal draußen um! Der Winter hat gerade erst begonnen. Die Natur kommt zur Ruhe. Bäume stehen kahl, einige Tiere halten Winterschlaf. Nichts drängt, nichts beschleunigt. Dabei ist es ja keineswegs so, dass in dieser Zeit Stillstand herrscht. Wachstum passiert – aber unsichtbar!


Ist es nicht eigenartig, dass unser Jahr ausgerechnet jetzt beginnt? Tatsächlich war das nicht immer so. In der römischen Antike begann das Jahr lange Zeit im März – also dann, wenn die Natur wieder erwacht, wenn neues Leben sichtbar wird. Erst Julius Cäsar legte den Jahresbeginn auf den Januar fest. Der Januar war dem Gott Janus gewidmet, dem Gott der Übergänge, der Türen und Schwellen. Ein schöner Gedanke eigentlich: ein Monat, der nicht fürs Voranstürmen steht, sondern fürs Dazwischen. Vielleicht dürfen wir ihn auch genau so verstehen.


Was wäre, wenn wir die Monate Januar und Februar nicht als Startschuss begreifen, sondern als Einladung zur Pause? Als eine Zeit, in der wir – wie die Blumenzwiebeln im Boden – scheinbar still sind und doch Kraft sammeln.

Statt sofort loszulegen, könnten wir uns fragen: Was brauche ich gerade wirklich, um Energie zu tanken? Was darf langsamer werden? Was kann vielleicht sogar ganz weg?

Manchmal sind es kleine Dinge, wie den Kleiderschrank ausmisten, sich von überflüssigen Newsletter-Mails abmelden, weniger Zeit auf Social Media verbringen, die täglichen Nachrichten bewusst dosieren. Oder sich jeden Tag bewusst fragen, welche Termine jetzt wirklich wichtig und dringend sind und welche in Wahrheit nicht so sehr. Welche Erwartungen oder inneren Antreiber dürfen sich mal eine Pause gönnen?


In Veränderungsprozessen – ob beruflich oder privat – entsteht Klarheit oft nicht durch noch mehr Tun, sondern durch Raum. Durch Weglassen und Loslassen. Durch Stille. Durch das ehrliche Wahrnehmen dessen, was da ist. Was wäre, wenn wir uns erlauben, unser neues Jahr erst am 1. März zu beginnen und bis dahin zu ruhen, zu sortieren und nachzuspüren? Einfach ein bisschen so tun, als läge noch alles im Dunkeln der Erde – nicht vergessen, nicht verloren, sondern gut aufgehoben, um im Verborgenen zu wachsen. Und dann, wenn die Tage wieder merklich länger werden, wird sich von ganz allein zeigen, was ans Licht möchte.


In diesem Sinne: Kommt gut ins neue Jahr!

 
 
 

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